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10.06.16

OS 2651

11.06.16

Eine der letzteren Seiten

12.06.16

Albert und Albert jr.

13.06.16

Karpfen-Gulasch



14.06.16

Das mit dem auswärts Scheissen ist ja immer so eine Sache

15.06.16

Ich glaube

16.06.16

Nicht beim Fußball

17.06.16

Zweite Halbzeit ist immer anders wie die erste Halbzeit



18.06.16

Dass man bei uns auf die Jagd geht, ist nichts Ungewöhnliches

19.06.16

Hose rutscht

21.06.16

Der Brief

22.06.16

Die Kasteiung



23.06.16

Kopfknall

24.06.16

Die Sandkörner

25.06.16

-

26.06.16

Die Kasnudel-Prohibition



27.06.16

Die Nummer

28.06.16

Ein Granada mit 45 Kisten

29.06.16

Der Fuchs und die Gans

30.06.16

Three Lions, baby!



01.07.16

Warum ich kein Facebook habe

02.07.16

Hinterher

03.07.16

Fußstapfen, so groß wie der Stiefel

04.07.16

Der Adlerhof ist kein Surfcamp



05.07.16

Schütze Läuft Ohne Widerrede

06.07.16

Die Freude kommt vom Tun

07.07.16

Zwei Fragen über den Fußball

08.07.16

Eine Antwort



09.07.16

Kein Hochstand in Hongkong

10.07.16

Das zitternde Glas

11.07.16

Ein Wunschtraum im Juli 2016

12.07.16

Am Eingang



Die Freude kommt vom Tun

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Es hilft nix. Heute ein Eigentor im Testspiel geschossen, ich kann’s nicht mehr ändern, es hilft nix. Deshalb ewig zu hadern: hilft nix. Überhaupt versuche ich, nichts unnötig in die Länge zu zerdenken. Vom Tun kommt die Freude, nicht vom Denken.
Wer immer nur denkt, der tut nicht. Ein Hinteregger tut. Ich mach das bestimmt nicht perfekt, ich mach es, so gut ich kann, so gut ich’s eben hinbekomm. Den Fußball, das Schreiben, das alles. Es hilft nix, nix zu tun. Zu sagen, es hilft nix, hilft mir, mich und mein Leben nicht ernster zu nehmen als es ist. Denn das hilft nix.
“Just do it” klingt besser als “Tu’s einfach”. Und “Es hilft nix” klingt um Welten besser als “Just do it”. Vielleicht sollte man Nike vorschlagen, ob sie ihren Leitsatz nicht ändern wollen in: Nike. Es hilft nix.

 

Zwei Fragen über den Fußball

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Was ich am Fußball nicht mag:

Wenn der Ball in die Brennesseln fliegt. Die Trauma Salbe auf den Eiern. Diagonalsprints bei 30 Grad. Das Zirkeltraining. Überhaupt Training. Die Musik von Marko Arnautovic. Fotografen und Reporter. Und die nächste deppate Frage. Den Glamour. Das Wort „Glamour“. Krawatte binden bei Auswärtsflügen. Das Auslaufen. Das Dehnen. Das Schwitzen. Auf der Bank sitzen. Intervallläufe. Alle Läufe. Die Möglichkeit eines Eigentors. Die Möglichkeit von zwei. Risse, Brüche, Zerrungen. Mentaltrainer. Minusgrade. Ernährungspläne und Laktattests. Neonfarbene Stöppler, Kristall-Ohrstecker und Wettbüros. Alles davor, alles danach, alles dazwischen.


Was ich am Fußball mag:

Den Fußball.

 

Eine Antwort

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In den Banlieues der inneren Empfindung
Das Stadion heißt Stade und Vélodrome
Marseille, der 7. Juli 2016 und 23 Uhr
Hinter jeder Mauer steht ein Tor
In den paar Jahren, die Leben heißen

Deutschlands große Niederlagen
Enke, Deisler, Halbfinale
Es ist ja nur ein Spiel und
Zwei, die nicht mehr –
mitspielen

Der Fußball kann nie alles sein
Doch ohne ihn ist alles nichts
Love is not the answer
The answer is: to love
hat das bekiffte Kipferl mal gesagt

 

Kein Hochstand in Hongkong

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Ich weiß, mit dem Jagen hab ich ein Hobby, das viele von euch von Grund auf ablehnen. Entweder du bist dafür oder du bist dagegen. Es gibt nur das Ja oder das Nein, das Pro oder das Contra, das machen oder eben nicht machen.

Für mich ist das Jagen das ideale Kontrastprogramm zum Irrsinn: Profi-Fußball. Auf 2000 Meter aufsteigen, dort einen schönen Platz zum Rasten suchen und einfach mal an gar nichts denken. Darum geht’s mir: Dass man in der Natur zur Ruhe kommt. Die Stille draußen führt zur Stille drin, im Kopf. Menschen, die nie jagen waren, glauben, beim Jagen geht’s vor allem um das Laute, das Buff: den Schuss. Menschen, die jagen, oder zumindest mir, als jemand, der von sich selbst sagen kann, dass er ein Jäger, wie man bei uns sagt: ein Jaga, ist, geht es aber vor allem um das genau Gegenüberliegende: das Leise.

Bis der Entschluss zum Schuss, folglich auch das Reh oder der Bock fällt, vergehen Stunden, oft Tage, in denen nichts passiert. Nichts knallendes, nichts ohrenbetäubendes, nur das gehörgangstreichelnde Rauschen der Blätter, das Dok-Dok-Dok des Kuckucks und das Holz am Hochstand, dem man beim Arbeiten zuhört, während man selbst ruht.

Wäre ich nicht in Sirnitz, aber in Hongkong großgeworden, wäre ich kein Jaga. Die Umgebung, die Ortschaft, die Menschen machen aus dem nackten Kind ein Kind mit Vorlieben und Hobbys. Die Ärztin und das Arztkind, der Musiker und die Musikertochter oder der Fußballer und der Fußballersohn. Vieles passiert einfach, fliegt einem zu oder von einem weg. Scheinbare Zufälle, die dem Leben seine Wendungen geben. Ein Lied im Radio wird zum Lieblingslied. Ein Bub im Kindergarten zum besten Freund. Und eine fremde Frau auf der Straße zur Ehefrau. Es passiert einem und es passiert einen; diese Möglichkeiten, die täglich vor uns auftauchen und mal mehr, mal weniger aufreizend zu tanzen beginnen; was uns bleibt, ist die Wahl, entweder hingreifen, ausprobieren oder wegdrehen, abwenden. Das Leben stellt Angebote, wir entscheiden, welche wir annehmen, und welchen wir ohne Unterschrift “baba!” sagen. Herr Stefan schreibt dazu:
“Ich wollte eigentlich kein Gasthaus, aber irgendwie hat mich das fasziniert.”

 

Das zitternde Glas

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Ich sitze am Sessel und beobachte meinen wippenden Fuß. Es ist ein bis vor kurzem von mir unbemerkt gebliebenes Wippen. Erst jetzt, als ich das mit Wasser gefüllte Glas auf der Tischplatte bemerke, merke ich auch, dass ich mit dem Fuß wippe. Wasser, das zittert, sieht nervös aus, denke ich. Ist der Hinteregger jetzt völlig verrückt geworden, denkst du. Ich sitze da und beobachte meinen Fuß und schreibe auf, was ich alles so beobachte, während ich meinen Fuß, genauer noch, meinen linken Fuß beim Wippen beobachte. Monatelang habt ihr uns, eurer Nationalmannschaft, auf die Beine geschaut. Euphorie wie schon lange nicht: bei euch, im gleichen Ausmaß Nervosität: bei uns. Die Nervosität, die wir uns lange Zeit nicht eingestehen wollten, war es, die uns letztschlussendlich aus dem Turnier geschmissen hat.

Morgen ist Finale, das Spiel, auf das alles hinarbeitet, hindeckt, hinfokusiert. Und ich sitze da und beobachte weiterhin nur meinen linken Fuß. Nichts anderes.
(Es ist egal, worüber ich schreibe, die Menschen werden es ohnehin lesen. Nicht, weil es so gut ist, sondern weil ich prominent bin. So ist für die Anzahl der Leser weit weniger ausschlaggebend, was inhaltlich geschrieben wird, als die Person, die als Verfasser angeführt wird. Deshalb haben auch Nicht-Journalisten, wie Prohaska, Schinkels oder Konsel ihre eigenen Kolumnen, in denen so einiges drin steht, aber selten etwas gesagt wird. Trotzdem: Mich freut’s extrem, dass du hier bist und meine Texte liest. Begründungen, warum Dinge so und nicht anders sind, sind ohnehin langweilig. So,… wo waren wir? Die Europameisterschaft, also weiter:)

Es ist schon merkwürdig, wie schnell das scheinbar Wichtigste im Leben, das den ganzen Platz im Kopf, beinahe den ganzen Kopf für sich beansprucht hat, zur kleinen Randerscheinung wurde. Wochenlang, monatelang gab’s nur EM, EM, EM in unseren Hirnstuben. “Aus den Augen, aus dem Sinn.” “Die Zeit heilt alle Wunden.” Das Leben hält viele dieser Sprüche für genau diese, desperaten Situationen parat. Selbsthilfesprüche. Das Gegenteil von: “No time for losers!” Die EM ist komplett in die Hose gegangen, aber sie tut nicht mehr weh, sie ist zu einer Erinnerung geworden, von der man einmal liebevoll erzählen wird, wie Herr Stefan von seiner verstorbenen Hündin Lady. Das morgige Finale und überhaupt die gesamte EM ist mir mittlerweile genauso wichtig und unwichtig wie die Frage, welche Unterhose ich morgen anziehen werde. Der Fuß wippt weiter und ich denke, denke ich. Meistens an die Vergangenheit und meistens an die Zukunft, selten nur an den wippenden Fuß, während der Fuß wippt. Wo siehst du dich in 5 Jahren? Im Urlaub.

 

Ein Wunschtraum im Juli 2016

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Wenn man Ronaldo einmal erlebt hat, schreckt einen nichts mehr. Jetzt ist er, der wie eine Dampflokomotive über mich drübergefahren ist, auch noch Europameister. Was will einer wie er, einer, der alles erreicht hat, überhaupt noch erreichen? Diese Frage beschäftigt mich nicht. Was mich heute und eigentlich seit 30 Tagen, seit dem Tag, als mir der ältere Herr am Flughafenklo das Buch geschenkt hat, beschäftigt, sind Herr Stefan und sein Adlerhof.

Mit jeder Seite, die ich in “Unter den Stutzen” lese, verstärkt sich der Wunsch, dort hinzufahren. Was tun, wenn sich ein Wunsch so sehr in einem festsetzt, dass er einfach nicht mehr weggehen will? Der Wunsch, dort, zum Adlerhof hinzufahren, sitzt tief, tief und fest in mir fest. Er macht einen Sitzstreik, wie man ihn sonst nur von Aktivisten auf Demos kennt. Einen Sitzstreik in mir. Was ich tun soll, bleibt die Frage. Weglaufen, ignorieren, oder nachgehen, hingehen? Angenommen, ich fahre morgen nach Wien, was habe ich dem Mann überhaupt zu sagen? Was sagt man einem, den man nie gesehen, von dem man nur gelesen hat? – So ähnlich geht es wohl vielen, die mich zum ersten Mal treffen. Meinen sogenannten Fans. Wenn ich in meinem Leben bis dato Fan von einem Menschen war, dann hatte dieser Mensch eigentlich immer etwas mit Fußball zu tun. So ist es auch mit “Herr Stefan”, auch wenn er kein aktiver Fußballer ist, sondern ein sich im Ruhestand befindlicher, ehemaliger Amateurfußballer. Ein Fußballer, der zum Wirten wurde. Meistens denkt man immer nur an den ersten Satz, den man einem Menschen sagen wird, den man schon bald zum ersten Mal sieht, nie denkt man an den zweiten. Es ist der erste Satz, und damit der erste Eindruck, der zählt. So denkt man zumindest. Dieser bedeutungsschwangere erste Satz. Vielleicht sollte man einfach nur das sagen, was augenscheinlich ist: Grüß Gott, oder: Hallo, oder: Grüß Sie. Vielleicht ist aber ein Gespräch zum Thema: Käsekrainerlangos das genau ideale erste Gesprächsthema für zwei Menschen, die sich nie gesehen haben, dementsprechend auch nichts zu sagen haben. Ja, ich werde morgen hinfahren, zum Adlerhof hinfahren und wenn ich dort bin, werde ich nicht nach Kasnudeln oder Bier, sondern unkonventionellerweise nach Käsekrainerlangos fragen. Würden mehr Menschen bei ihrer ersten Begegnung über Käsekrainerlangos sprechen, würden weniger erste Gespräche schon nach wenigen Worten zu toten Gesprächen verkommen. Das tote Gespräch ist das Gegenteil vom lebendigen Gespräch. Es ist keine Frage von Leben und Tod, ob ich morgen dort hinfahre, aber eine Fragen von Leben, wie man es will, oder Leben, weil man sich nicht traut. Ich weiß, dass ich morgen dort hinfahren werde, mehr noch: dort hinfahren muss. Ja, ich fahre morgen mit dem Auto nach Wien, zum Adlerhof und das Erste, wonach ich fragen werde, wonach ich den Wirten, den Wirten mit dem Namen “Herr Stefan”, fragen werde, wird die Frage nach der Verfügbarkeit von Käsekrainerlangos sein. Ich habe noch nie Käsekrainerlangos gegessen, aber ich habe wohl auch nie so etwas verrücktes getan, wie nach Wien zu fahren, um einer wildfremden Person: Hallo, oder: Grüß Gott, oder: Grüß Sie zu sagen. Deshalb kann ich, wenn ich schon zu dieser für mich völlig atypischen Maßnahme greife, auch zum Gesprächsthema: Käsekrainerlangos greifen. Heute war ich nicht in Paris, wie ich es mir erträumt hätte, deshalb werde ich morgen nach Wien, zum Adlerhof fahren, um mir zumindest diesen einen Wunschtraum im Juli 2016 erfüllen zu können:
Burggasse 51, 1070 Wien

 

Am Eingang

hinti31

WERTE GÄSTE

WIR HABEN WEGEN KRANKHEIT VORÜBERGEHEND GESCHLOSSEN
DANKE FÜR IHR VERSTÄNDNIS

AUF EIN WIEDERSEHEN FREUT SICH
IHR
STEFAN GICZI